Hauptausschuss gegen Mehrausgaben für das Ehm-Welk-Haus

Hauptausschuss Bad Doberan lehnt 3600 Euro zusätzliche Unterstützung für Ehm-Welk-Haus und Freundeskreis Ehm Welk ab. Verein hofft nun auf LEADER-Programm.

Hätte hier Johann Wolfgang von Goethe oder Friedrich Schiller gewohnt, wäre alles viel einfacher und gäbe es diese Diskussion wahrscheinlich gar nicht. In dem roten Klinkerhäuschen in der Bad Doberaner Dammchaussee 23 wohnte aber Ehm Welk.

 

Seine Werke sind bekannter, als er selbst

Zwar ist er als Verfasser der „Heiden von Kummerow“ weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt und spätestens seit der DEFA-Verfilmung kennt jedes Kind die Namen Martin Grambauer und Johannes Bärensprung. Doch fragt man nach einem mecklenburgischen Dichter, rangieren Fritz Reuter und Rudolf Tarnow vor Ehm Welk.

Das macht es für Bad Doberan nicht gerade einfach. Nennt sich Stavenhagen offiziell Reuterstadt und trägt auch Güstrow den Namen seines Künstlers Ernst Barlach in der Bezeichnung, sind es in Bad Doberan nicht Ehm Welk, sondern Molli, Münster, Moor und Meer, die das Marketing vereinfachen sollen. Es würde wahrscheinlich auch niemand auf die Idee kommen, diese Schlagwortreihe durch Ehm Welk zu ergänzen.

 

Stadt pflegt den Namen, aber nicht das Erbe

Trotzdem lebt Ehm Welk in der Münsterstadt weiter. Die Hauptstraße über den Buchenberg und die dortige Schule tragen seinen Namen und im neu entstehenden Ostseewohnpark erinnern die Straßennamen an seine ausgedachten Charaktere und der Thomas-Trimm-Weg an ihn selbst, denn das war Emils Pseudonym. Die größte Erinnerung ist aber sein Wohnhaus, das heute noch von innen viel Wohnliches hat, auch wenn nur das Arbeitszimmer original erhalten wurde. Im Ehm-Welk-Haus wurde nämlich nach Welks Tod viel für die Bildung getan und dazu brauchte man größere Räume für Lesungen und Vorträge.

 

Welk schenkte sein Haus der Stadt mit Bedingungen

Das Haus hatte Emil Welk der Stadt Bad Doberan geschenkt, aber er hatte die Schenkung an die Bedingung geknüpft, dass es ein Haus für die Kinder und Jugendlichen sein solle. Er meinte damit natürlich vornehmlich die Jungpioniere und Thälmannpioniere des damals noch jungen sozialistischen Arbeiter- und Bauernstaates, den er ideologisch nicht nur mit trug, sondern auch mit aufgebaut hatte. Für seine sozialistischen Überzeugungen hatte er im Dritten Reich Probleme bekommen – in der Deutschen Demokratischen Republik fühlte er sich verstanden und in der mecklenburgischen Kleinstadt Bad Doberan zuhause. Sechzehn Jahre hat er hier gelebt – bis zu seinem Tod.

 

Die Zeiten haben sich geändert – das Konzept nicht

Was aber soll man in Bad Doberan mit diesen 16 Jahren anfangen? Goethe geht immer und überall – Welk nicht. Zu DDR-Zeiten gab es staatliche Gelder für das Haus und das damit im Zusammenhang stehende Bildungsprojekt und der Besuch des Ehm-Welk-Hauses stand auf dem Pflichtprogramm der Doberaner Schüler. Nicht anders war es beim Münster und beim Möckelhaus oder bei der Stadtbibliothek – das Ehm-Welk-Haus war eine von mehreren Herbergen, die man als Einheimischer kennen musste und darum im Heimatkunde-Unterricht kennen lernte.

Nach der Wiedervereinigung blieb das Haus in den Händen der Stadt, der Geist aber ging auf einen Freundeskreis über – viele der Vereinsmitglieder kennen die Familie Welk persönlich, wenn auch meistens nur aus Kindertagen, aber doch in lebhafter Erinnerung an einen wohl kinderlieben Mann. Der Verein führte die Tradition fort, aber genau da liegt das Problem: Freunde hin oder her – Veranstaltungen zu organisieren und zu bewerben kostet Geld und das kam nun nicht mehr vom Staat. Als einer unter vielen Vereinen der Stadt Bad Doberan bekommt auch der Freundeskreis Ehm Welk aus den freiwilligen Ausgaben des Stadthaushalts ein Stück vom Kuchen ab. Wie die Stücke dieses Kuchens aussehen, mag man erahnen, wenn man nur daran denkt, wie viele Vereine hinter dem ersten „M“ des Marketing-Leitspruchs der Stadt stecken. Münsterverein, Münsterbauverein, Klosterverein, Kornhausverein, Mühlenverein und auch die das Klosterareal bewohnenden Vereine, wie die Jugendkunstschule hängen alle an diesem einen „M“ von Münster, Molli, Moor und Meer.

Stadtpolitik uneinig über Umgang mit dem Erbe Welks

Die Stadtvertreter haben es sich in den vergangenen Jahren mit dem Erbe Welks nicht leicht gemacht. Einerseits will keiner von ihnen, dass das Ehm-Welk-Haus geschlossen werden muss, andererseits will aber auch niemand hunderttausende Euro in die Sanierung eines Hauses investieren, dessen Nutzung im Monat gerade mal eine dreistellige Summe einbringt. Es gab Vorschläge, die Institution mit dem Stadt- und Bädermuseum zusammen zu legen. Zwischendurch war auch die Nutzung als Jugendclub geprüft worden oder als leichte Variante ein Haus für Jugendliche mit zum Haus passenden Interessen – also solche Jugendliche, die dort nicht randalieren würden. Man redete sich auch ein, dass ein Haus für die Jugend in Welks Interesse wäre – wissen kann man das freilich nicht. Im Interesse seines Freundeskreises ist diese Nutzung jedenfalls nicht und so wurden sie noch engagierter, als sie es eh schon waren, um zu retten, was zu retten ist.

 

Kultur ist unrentabel

Dass das Ehm-Welk-Haus saniert wird, wagte man zu träumen, aber musste diesen Traum wie Seifenblasen zerplatzen sehen. Solange nicht raus kommt, was rein fließt, findet sich in der Stadtvertretung keine Mehrheit. Bei Klosterbauten und Turnhallen gelten andere Maßstäbe – da gibt es ja noch die nicht in Geld aufzuwiegenden Wählerstimmen, die weitaus mehr sind, als bei einem Freundeskreis eines Dichters, der nicht Goethe heißt.

 

Stadtvertreter lehnen mehr Geld ab

Jetzt aber wird auch beim Geld für den Betrieb des Ehm-Welk-Hauses gemausert. Für den Haushalt sollten im kommenden Jahr 3.600 Euro zusätzlich zu den normalen freiwilligen Ausgaben für den Verein bereit gestellt werden. Der Hauptausschuss lehnte das jetzt mehrheitlich ab. UDI-Stadtvertreter Guido Lex begründete das damit, dass ein Ungleichgewicht entstehen würde, wenn man dem einen Verein zusätzliches Geld gäbe und anderen nicht – auch sei das Angebot einem sehr begrenzten Personenkreis zugänglich. Auch Tourismusbund-Stadtvertreter Heinz-Jürgen Beutler sorgt sich um die Folgen, wenn weiteres Geld Begehrlichkeiten bei anderen weckt. Ihm sei nicht ganz klar, was inhaltlich in dem Haus passieren soll und was fünf Euro in der Woche denn schon ausrichten können. Linke-Stadtvertreterin Gerlinde Heimann Gerlinde Heimann ärgerte sich offenbar über die Unkenntnis der Stadtvertreter, was in dem Haus alles geboten wird und zählte es auf.

 

Zu wenig Personal = zu wenig Gäste

Freundeskreis-Vorsitzende Ulla Golombek zeigt, wo sich die Katze in den Schwanz beißt: Es kommen zu wenig Gäste, aber mehr kann man mit dem wenigen Personal auch nicht anlocken. Das Haus kann mit 450 Euro im Monat gerade man an zwei Nachmittagen in der Woche geöffnet werden, mit 300 Euro mehr wäre es ein Nachmittag mehr und dann würde auch an drei Tagen in der Woche jemand telefonisch erreichbar sein – dass oft niemand ans Telefon geht, wurde schon oft bemängelt.

 

Verein hofft auf LEADER-Förderung

Das ist nun vom Tisch und der Verein muss mit dem, was er kriegt, weitermachen, wie bisher. Hoffnung gibt es aber durch das LEADER-Programm, aus dem 360.000 Euro für die 459.000 Euro kostende Sanierung des Ehm-Welk-Hauses kommen könnte. In der engeren Auswahl sei man jetzt, berichtet Bürgermeister Thorsten Semrau (parteilos). Er verweist auch auf einen Beschluss der Stadtvertreter, aus dem hervor gehe, dass sie das Ehm-Welk-Haus erhalten wollen. Die jetzige Absage berge aber die Gefahr, dass der Verein seine Aktivitäten komplett einstellt.

Stadtvertreter Jochen Arenz (parteilos), der sich in der Vergangenheit durchaus kritisch mit dem Ehm-Welk-Haus auseinander gesetzt hatte, will das Thema in die Stadtvertreterversammlung bringen. Es könne nicht sein, dass nur sieben Leute über die Zukunft des Hauses und des Vereins entscheiden, so Arenz.

Kommentar: Ehm-Welk-Haus öffne dich!

 

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