Martin Heider zeigt Grabung im Münster Doberan

Vortragsreihe zur Reformation endete mit Besichtigung der Ausgrabung im Münster

Kustos Martin Heider führte zum Ende der Reformation-Vortragsreihe exklusiv und letztmalig zur Ausgrabungsstätte im Doberaner Münster.

Zum neunten und letzten Vortrag zum Kloster Doberan zur Zeit der Reformation kamen noch einmal besonders viele Zuhörer, um diesmal im beheizten Amtshaus dem Münster-Kustos Martin Heider zu lauschen. Wie man es vom letzten Vortrag erwarten kann, ging es um die Auflösung des Zisterzienser-Konvents und die Säkularisierung des Klosters. Das ist natürlich für Historiker, Chronisten, Gästeführer und Geschichtsinteressierte, aber auch für Religiöse und Religionsinteressierte ein großes Thema, ging es doch um die Übergabe nicht nur des ältesten, sondern auch eines der reichsten Klöster des Landes durch dessen Abt Nikolaus Pepperkorn an den Herzog Johann Albrecht.

In seinen neun Vorträgen beleuchtete Martin Heider die Anfänge der Reformation und die Auswirkungen des Wirkens Martin Luthers auf den Zisterzienserorden. Er präsentierte neue Erkenntnisse zu internen Streitigkeiten um das Visitationsrecht und zeigte auf, welche wichtige Bedeutung das Doberaner Kloster innerhalb des Zisterzienser-Ordens hatte, auch gegenüber seinem Mutterkloster Amelungsborn. Heider fand in Archiven alte Schriften und Protokolle, Zeichnungen, Fotos und Organigramme und nach jedem Vortrag zeigte er vor Ort im Münster, wie sich die Veränderungen in der Nutzung der einstigen Klosterkirche als nun Pfarrkirche auswirkte. Er zeigte gravierende Umbauten, die man als Gast gar nicht erahnt.

 

Exklusive Besichtigung der Ausgrabungsstätte

Nach dem letzten Vortrag am 12. Dezember führte Martin Heider die Teilnehmer exklusiv zu einer Ausgrabungsstätte im Münster. Die Archäologen gingen in den vergangenen Wochen der Frage auf den Grund, worauf das Münster eigentlich gebaut wurde. Hartnäckig hält sich ja das Gerücht, es seien Eichenpfähle in den Boden gerammt und darauf das Münster gebaut worden und seitdem Gotthilf Ludwig Möckel bei der Generalsanierung Eisenstangen fand, war gar von „Eisenpfählen“ die Rede, welche 1186 zur Gründung des Klosterbaus benutzt worden sein sollen. Üblich war bei Klosterbauten aber das „römische Fundament“, ein Aushub, der auf einer festen Sandschicht endet und den man mit Feldsteinen füllt und dann mit Kalk und Wasser ausgießt und aushärten lässt.

Die Grabungen beweisen genau das: Es wurde ein ca. 1,20 Meter tiefes Loch ausgehoben und unten befindet sich eiszeitlicher Flusssand, der darauf schließen lässt, dass das Doberaner Münster auf einer Sandlinse errichtet wurde und nicht auf einer Moorlinse. Es wurde auch nicht die komplette Kirche mit einem Fundament versehen, sondern nur die Pfeiler auf Fundamenten gegründet. Auf Heiders Bitte wurde an einer anderen Stelle eine Grabung vorgenommen, um zu überprüfen, ob eine bei Friedrich Loren eingezeichnete, aber nicht mehr vorhandene Mauer tatsächlich existierte. Das Fundament der Mauer wurde gefunden und es lässt neue – wenn auch schon vorher vermutete – Rückschlüsse zu. Es könnte sich nämlich um die Außenwand des ehemaligen romanischen Vorgängerbaus handeln, der beim Bau der gotischen Kathedrale mit einbezogen wurde.

Zum Vorschein kamen auch eine Altarplatte und alte Gasleitungen, die nach der Säkularisierung für den Betrieb der Gaslampen gezogen wurden. Außerdem wurden Stromleitungen freigelegt. Parallel geht die Restaurierung des Reiterstandbildes von Behr voran.

Publikation zur Reformation geplant

Die Vortragsreihe soll auch in Druckform publiziert werden. Wenn all das einfließt, was der engagierte Küster für die Vorträge ausgearbeitet und zusammen getragen hat, dann wird dies eines der wichtigsten Publikationen zum Doberaner Münster seit der Jahrtausendwende.

Das Bild zeigt Kustos Martin Heider an der Ausgrabungsstätte im Doberaner Münster. Diese Ausgrabung wurde heute wieder geschlossen.

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